Pfingstvision: Alte und neue Schätze

Predigt von Diakon Andreas Frank zum Pfingstsonntag

Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche. Wäre der Geist Gottes nicht hineingefahren in die verängstigte und wartende Gruppe der Jüngerinnen und Jünger damals in Jerusalem am 50. Tag nach Ostern, dann wäre alles am Anfang gleich verkümmert und vertrocknet. „Sie hörten ein Brausen , wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.“ Ich bin überzeugt: heute und hier ist Pfingsten neu, ich höre das Brausen – wenn ihr wollt, könnt ihr mich für verrückt erklären. Ich habe eine Vision, sie heißt „alte Schätze und neue Schätze“, und von der werde ich berichten. Wer bei der Zukunftswerkstätte oder auf den Glaubenstagen in Tulln dabei war, kennt sie schon – heute soll aber die Möglichkeit sein im Pfarrsaal, nach der Messe , auch darüber zu sprechen.

Ich beziehe mich auf die Bibelstelle Mt 13,52, wo Jesus sagt: „Jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.“ Jesus meint hier, dass ein Jude, der ihn als Messias bekennt, 2 Schätze hat: den alten Bund und den neuen Bund, und beide sind GUT.

In unserer katholischen Christengemeinde geht es in diesem Zusammenhang nicht um Altes Testament und um Neues Testament, sondern es geht um alte Wege und neue Wege der Pastoral. Zu den neuen Wegen zähle ich den Alphakurs, die Koinoniagruppen, den Jugendglaubenskurs „ich will mehr“, den Jüngerschafts-Workshop, die Glaubenstage und anderes, kurz „Alpha und Co“ genannt.

Die neuen Wege führten zu manchen Spannungen, Missverständnissen und Irritationen.

In der Einwurfbox zur Vorbereitung auf die Zukunftswerkstatt, die wir im März veranstaltet hatten, war ein anonymer Zettel folgenden Inhalts: „Die Vielfalt in unserer Pfarre ist enorm! Jeder kann seinen Glauben leben in der Art, die ihm zusagt. In der neuen Kirche soll es auch neue Wege geben. Trotzdem soll auch traditioneller („althergebrachter“) Glaube seinen Platz haben und nicht schief angesehen werden. Beides soll in unserer Pfarre Platz haben und vor allem nicht zur Gruppenbildung führen.“

Warum Alpha und Co?

Warum dann „Alpha und Co“, wenn wir uns diese Spannungen hätten ersparen können?

  1. Weil wir in einer gesellschaftlichen und kirchlichen Umbruchsituation leben und neue Voraussetzungen auch neue Wege brauchen. Jesus selbst weist uns darauf hin: „Seht und deutet die Zeichen der Zeit!“
     
  2. Ich benenne den kirchlichen Umbruch mit: Übergang von der Volkskirche zur Entscheidungskirche.

    Was ich mit Volkskirche meine: die Situation der katholischen Mehrheit in der Gesellschaft, die ererbten guten Traditionen von Sonntagsgebot und Fastenregeln, die Unterscheidung einer lehrenden Kirche der Kleriker und einer hörenden Kirche der Laien und vieles mehr.

    Was ich mit Entscheidungskirche meine:
    • Ich bin deshalb ein Christ, weil ich mich dazu entschieden habe und nicht, weil es hier so üblich ist und mich meine Eltern als Baby taufen ließen
    • Ich lebe in einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus, ich rede mit ihm, ich trenne keinen Lebensbereich von ihm
    • Ich spreche mit anderen Christen über meinen Glaubensweg, ich lerne aus den Erfahrungen der anderen, ich öffne mich, wir sitzen im Kreis und tauschen uns aus
    • Ich bin missionarisch, ich bin auskunftsfähig, ich kann meinen Glauben in eigene Worte fassen und lasse mich anfragen
       
  3. Weil der dözesane Reformprozess, den Kardinal Schönborn angestoßen hat mit seinen Hirtenbriefen – vor allem mit dem Brief aus 2012 – genau dort hinzielt, wo unsere Gemeindereform nötig ist: Er stellt „mission first“ und Jüngerschaft – neben dem 3. Punkt, der Strukturreform, in das Zentrum des Reformprozesses.

Alle sind willkommen

Also: beide Kirchenbilder sind gut, es handelt sich um zwei Schätze!

Allerdings: die Volkskirche wird dünner, sie läuft langsam aus. Alleine hat sie keine Zukunft, aber sie ist die Basis, in die hinein die Entscheidungskirche aufgebaut wird! Und das geschieht längst, denn Jüngerinnen und Jünger sind schon da und wachsen dazu! Meine Vision ist keine zurückgedrehte Uhr, ich träume nicht von einem Kirchenmodell etwa aus der 1. Republik.

Für uns hier gilt: Jeder ist voll und ganz willkommen! Wenn jemand sagt, ich bleibe gerne bei den alten Wegen, so ist das GUT! Ich bin ja selbst ein Freund von den traditionellen volkskirchlichen Wegen, bin etwa ein echter Fan der Fronleichnamsprozession!

Wenn jemand sagt: ich gehe gerne die neuen Wege mit Alpha und Co mit, so ist das ebenso GUT! Mein Leitungsverständnis ist : die Gemeinde von der Zukunft her zu sehen und zu leiten!

Hier füge ich eine gute Idee ein, die jemand aus unserer Christengemeinde mir vorgeschlagen hat: nämlich auch von „Beteiligungskirche“ zu sprechen. Ein vermittelnder Begriff für jene, die nicht bei Alpha und Co mitmachen, aber dennoch eine Entscheidung getroffen haben: zur Beteiligung am Gottesdienst, durch konkrete Mitarbeit oder auch zu finanzieller Unterstützung der Anliegen der Christengemeinde.

Ist das noch katholisch?

Die neuen Wege sind katholisch! Das Pfarrleitungsteam steht dafür! Alpha und Co sind vom Herrn Kardinal gewünscht, er weiß was hier geschieht und begrüßt es!

Es stimmt, dass Herr Bruce Clewett, der uns ein wichtiger Berater gewrden ist und in der Neubrgerstraße wohnt, ein evangelischer Christ ist. Er hat uns ausdrücklich zum Bußsakrament ermutigt und im Jüngerschaftsworkshop öfter den „Katechismus der Katholischen Kirche“ zitiert als ich es je getan habe. Clewett ist auch ein von Kardinal Schönborn gerne eingeladener Referent.

Es stimmt, dass das „Alpha“ Kurs System aus der anglikanischen Kirche Londons kommt, aber wir haben es hier „katholisiert“ und es ist kein vorgetragenener Inhalt unkatholisch.

Brücken bauen

Wichtig zu sehen: die Rolle unseres Priesters, Pater Dominic: ich sehe ihn als Mann auf der Brücke. Seine neuen Wege mit der täglichen hl. Messe und der täglichen eucharistischen Anbetung sind wesentliche Bereiche der Reform. Er ist bei Alpha voll dabei, er nimmt immer am Morgengebet am Dienstag um 6h teil, er geht zu Maiandacht oder Kreuzweg, von einem Laien geleitet und nimmt daran teil als Crist unter Christen, er begrüßt es, dass die Pastoralassistentin am Sonntag predigt und vieles mehr.

Was den Stellenwert der Eucharistie und der anderen sechs Sakramente betrifft: sie sind Gipfel und Quelle des gesamten Lebens der Kirche ganz egal, ob alte Wege oder neue Wege.

Übrigens: die Koinoinia Gruppen sind nichts anderes als Hauskreise, die sich zu Gebet, Bibellesung und geistlichem Austausch in Wohnungen zusammenfinden. Am 10. Oktober wird es dazu für alle Interessierten eine öffentliche Information und die Möglichkeit geben, dabei mitzumachen.

Heute ist Pfingsten. Der Geist weht, wer Ohren hat, kann sein Brausen hören, wer Augen hat, kann die Feuerzungen sehen. Komm, heiliger Geist, belebe Deine Kirche und zeige ihr die Wege, die in die Zukunft führen. Amen

Andreas Frank

Diakon, Pfarrassistent, Vorsitzender PGR & VVR

Pfarre St. Josef,
Neu Guntramsdorf

Dr. Karl Rennerstraße 19
2353 Guntramsdorf

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