Predigt über Wege zu Einheit und Frieden 27. Oktober 2019

Menschliches Zusammenleben ist immer auch ein Leben in Konflikten. Ich vermute, dass kaum jemand unter uns ist, der sagt: „ich lebe ständig völlig konfliktfrei.“ Sei es im persönlichen Leben, in Partnerschaft und Familie, in beruflichen Zusammenhängen oder im Leben der Pfarrgemeinde: irgendwo hakt es immer.

Ich bin in die Waldorf-Schule gegangen und musste auch als Bub stricken lernen. Das war für mich eine große Herausforderung! In klarer Erinnerung ist mir mein häufiger Kampf mit dem Wollknäuel. Oft war das Knäuel so verheddert, dass ich es nicht entwirren konnte. In einer solchen Verzweiflung hab ich es einmal einfach abgerissen und weggeschmissen – natürlich hinter dem Rücken meiner Handarbeitslehrerin, die sehr streng war.

Wenn ich heute in einen Konflikt verwickelt bin und die Auswege nicht klar sehe, gehe ich mit diesem Thema ins Gebet. Ich versuche dann, den verwirrten Knäuel Gott zu geben, Jesus in den Rucksack zu stecken – samt meinen sündigen Anteilen. Oft mache ich die Erfahrung, dass er mir das Knäuel abnimmt und sich dann Lösungswege eröffnen, die ich gehen und bewältigen kann.

Am 13. Oktober hat Herr Bischofsvikar Pater Petrus Hübner hier in unserer Kirche eine Erklärung der Diözesanleitung verlesen, welche die Sicht der Erzdiözese zu einem Konflikt widerspiegelt, der viele von uns sehr belastet. Er hat dies im Auftrag des Herrn Kardinals getan. Während einige Gemeindemitglieder sehr zufrieden damit waren, ist diese Erklärung für andere Gemeindemitglieder als sehr unbefriedigend empfunden worden – wieder andere stehen zwischen den Polen oder nehmen an dieser Konfliktgeschichte nicht teil.

Was hilft uns in dieser Situation als Pfarrgemeinde? Meiner Meinung nach gibt es eine gute Grundlage für Lösungswege. Ich hatte in den letzten Tagen etliche Gespräche mit Gemeindemitgliedern, die sehr unterschiedliche Standpunkte vertraten. Einhellig sagten sie: „wir müssen und wir werden aufeinander zugehen, wir wollen Frieden und Einheit, unsere Pfarrgemeinde ist uns wichtig und kostbar.“ Auf dieser Grundlage höre ich heute in den Worten der Ersten Lesung Wegweisung für unsere Pfarrgemeinde heraus.

Lesung aus dem Buch Jesus Sirach

Der Herr ist Richter und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person.
Er bevorzugt niemanden gegenüber einem Armen,
die Bitte eines ungerecht Behandelten wird er erhören.
Er missachtet nicht den Hilferuf der Waisen
und die Witwe, wenn sie ihren Jammer ausschüttet.
Wer Gott wohlgefällig dient, wird angenommen
und seine Bitte dringt bis in die Wolken.
Das Gebet eines Demütigen durchdringt die Wolken,
und bevor es nicht angekommen ist, wird er nicht getröstet
und er lässt nicht nach, bis der Höchste darauf schaut.
Und er wird für die Gerechten entscheiden und ein Urteil fällen.
Sir 35,15b-17.20-22a

  1. Gott als Richter anerkennen „Der Herr ist Richter“ sagt uns Jesus Sirach . Das bedeutet: Er hat als einziger sämtliche Einblicke! Er kann und wird richten – im Sinne von reparieren, heil und ganz machen. „Gott wird gerecht ein Urteil fällen“ heißt es weiter im Bibeltext. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er das auch dort tut, wo wir viele Fragen offen lassen müssen. Also: IHN als Richter anerkennen, das bedeutet auch: Ich bin nicht der Richter.
  2. „Das Gebet des Demütigen durchdringt die Wolken“ – so sagt Sirach. Es ist ein guter Anlass, unser gemeindliches Gebetsleben zu vertiefen: ob beim Rosenkranz oder beim Morgenlob, bei der Werktagsmesse, der Eucharistischen Anbetung oder bei der Gebetszeit am Freitagabend: den Herrn bestürmen und bedrängen mit der Bitte um Einheit, Lösung und Frieden. Ich finde es fast undenkbar, dass er solches Gebet nicht erhören möchte! Ich empfehle uns ein Gebet um Weitung und Bekehrung des je EIGENEN Herzens – wie der Zöllner im Evangelium: „Herr, sei mir Sünder gnädig!“
  3. Und schließlich: Die unerschütterliche und regelmäßige Versammlung am Sonn- und Feiertag. Der Tisch des Wortes und der Tisch von Brot und Wein sind die ultimative Quelle von Heilung! Wer jetzt will, dass seine Gemeinde eine vitale Zukunft haben soll, der kommt ganz einfach,
    • auch wenn es ab 1. November bereits um 9 Uhr beginnt
    • auch wenn mir der da oder die da in der nächsten Bank gar nicht geheuer ist
    • auch wenn ich lieber liegen bleiben will oder ich einen Ausflug bevorzuge.
      So wird uns diese Herausforderung auch zur Bewährungsprobe für unsere Treue und für unseren Glauben. Ich werde kommen WEIL ich spüre, dass es gerade jetzt mein Dienst und der Ruf Gottes ist.

Gott wird helfen – in allen Konflikten des Lebens! Amen.

Diakon und Pfarrassistent Andreas Frank

Pfarre St. Josef,
Neu Guntramsdorf

Dr. Karl Rennerstraße 19
2353 Guntramsdorf

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