Leib Christi sein konkret

Apostel Paulus und verschiedene Standpunkte zur Dienstfreistellung von Pater Dominic

Beim Fronleichnamsfest feiern wir den Leib Christi, sichtbar im gewandelten Brot, das mit uns durch die Straßen zieht, aber nicht nur: Auch die Gemeinschaft der Getauften ist Kommunion – ist Leib Christi. In jeder Messfeier wird dieses Geheimnis des Glaubens in der Wandlung des Brotes und aller Mitfeiernden in den Leib Christi erneuert. Das zugehörige Hochgebet schließt mit dem großen Lobpreis Gottes:

Durch ihn und mit ihm und in ihm
ist dir Gott,
allmächtiger Vater,
in der Einheit des Heiligen Geistes
alle Herrlichkeit und Ehre,
jetzt und in Ewigkeit. AMEN.

Dazu hält der Priester das gewandelte Brot in die Höhe. Durch den Leib Christi ist Gott Herrlichkeit und Ehre – durch Jesus selbst und durch uns, seine heilige Gemeinde. Wie geht das konkret, Gott als Leib Christi zu verherrlichen und ihm Ehre zu erweisen? Der Apostel Paulus stellt uns die Herausforderung in seinem Brief an die Gemeinde in Rom vor Augen:

Gerecht gemacht also aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott
durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen,
und rühmen uns der Hoffnung
auf die Herrlichkeit Gottes.
Mehr noch,
wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse;

denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
Die Hoffnung aber lässt uns nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen
in unsere Herzen,
durch den Heiligen Geist,
der uns gegeben ist.

Röm 5,1-5

Es erscheint leicht, in Zeiten der Gnade Gott ein Loblied zu singen und seine Herrlichkeit zu preisen. Im Römerbrief heißt es jedoch, sich auch der Bedrängnisse zu rühmen – wie das?

Unsere Pfarrgemeinde in Neu Guntramsdorf erlebt eine Zeit der Bedrängnis seit der plötzlichen Abberufung von Pater Dominic Anfang April. Dies geschah in Befolgung der diözesanen Richtlinien, die anlässlich der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche erstellt wurden. Dieses Regelwerk ist öffentlich einsehbar, Broschüren dazu liegen im Kirchenvorraum auf. Sowohl die Diözesanleitung als auch der Provinzial des Ordens der Steyler Missionare hielten sich an die vorgegebenen Regeln und stellten Pater Dominic dienstfrei bis zur Klärung der Vorwürfe zu sexuellem Übergriff. Dies bedeutete keinesfalls eine Vorverurteilung, wie es für manche den Anschein hatte.

Die Mehrheit unserer Pfarrgemeinde wird wohl zustimmen, dass die Missbrauchsskandale der letzten Jahrzehnte das Vertrauen in die katholische Kirche schwer erschütterten. Die Not der Betroffenen gebietet, Vorwürfen zu sexuellen Übergriffen nachzugehen und im Falle der Glaubwürdigkeit auch zu ahnden. Die Zeiten der Vertuschung oder Versetzung kirchlicher Mitarbeiter ohne weitere Konsequenzen gehören zum Glück weitgehend der Vergangenheit an.

Dennoch ist die Betroffenheit groß, wenn solche Vorwürfe in der eigenen Pfarrgemeinde vorgebracht werden. Bei der Pfarrversammlung habe ich ganz unterschiedliche Reaktionen dazu wahrgenommen:

  • Entsetzen darüber, dass Pater Dominic unserer Gemeinde so plötzlich entrissen wurde und er in einer Nacht- und Nebelaktion ins Kloster St. Gabriel übersiedelte, ohne ein Wort der Erklärung und ohne die Möglichkeit, sich zu verabschieden.
  • Den einen erscheint eine Gemeinde ohne fixen Priester als Herde ohne Hirten. Andere setzen ihr Vertrauen in die umsichtige Gemeindeleitung durch Diakon Andreas Frank. Sie erinnern sich an die Phase der „Priesterlosigkeit“ nach dem Weggang von Pater Franz Geiblinger, die mit Aushilfspriestern bewältigt wurde, von denen uns einige inzwischen recht lieb geworden sind.
  • Besonders jene, zu denen Pater Dominic eine gute Beziehung hatte, sind überzeugt, die Vorwürfe können auf keinen Fall stichhaltig sein. Sie sind ungeduldig darüber, dass keine Details bekannt gegeben werden und würden Pater Dominic in freundschaftlicher Verbundenheit gerne öffentlich verteidigen.
  • Andere wiederum sind entsetzt, dass möglicherweise sexuelle Übergriffe „unter unserem Dach“ geschehen sind.
  • Einige fordern ein Öffentlich-Machen der Person bzw. der Personen, die Vorwürfe gegen Pater Dominic erheben. Wie uns ein Mitglied der Ombudsstelle gegen Missbrauch in der Kirche bei der Pfarrver-sammlung klar machte, ist dies nicht möglich. Der Sturm an Gegenwind und die Diskussion über die Stichhaltigkeit wären für die Betroffenen auf beiden Seiten unerträglich. Es braucht Mut, schambesetzte Erlebnisse überhaupt jemand anzuvertrauen und sich der Beurteilung durch eine Kommission auszusetzen. Aber auch für den Beschuldigten wäre das öffentliche Besprechen der mutmaßlichen Sachverhalte überaus unangenehm.
  • Wieder andere verspüren Mitgefühl mit Menschen, die etwas erlebt haben, das sie als sexuellen Übergriff werten. Besonders berührt sind jene Mitglieder unserer Pfarre, die am eigenen Körper solche Erfahrungen durchmachen mussten – in welchem Kontext auch immer – und wissen, wie groß nach derartigen Ereignissen der Wunsch ist, ernst genommen und gehört zu werden.

Bei einer solchen Spanne an unterschiedlichen Meinungen besteht die Gefahr von Gruppenbildungen und Spaltungen in der Gemeinde. Ein gespaltener Leib Christi ist nun wahrlich nicht im Sinne Jesu, der uns zur Einheit aufruft. Er mutet uns zu, einander zu lieben, wie er uns geliebt hat, Lasten zu teilen und Entgleisungen zu vergeben.

Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, sagt uns Apostel Paulus. Wenn es uns gelingt, in dieser schwierigen Situation Geduld und Verständnis füreinander aufzubringen, besteht die Chance, als Pfarr-gemeinde an der Herausforderung zu wachsen und aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen. Ein Glied am Leib Christi sein bedeutet in Neu Guntramsdorf in den nächsten Wochen daher: von gegenseitigen Verurteilungen Abstand nehmen, und andere Standpunkte akzeptieren, im besten Fall, aneinander zu lernen. Gleichzeitig ist Vertrauen in den Oberhirten unserer Diözese angesagt: Kardinal Christoph Schönborn wird auf Grundlage der Empfehlung der diözesanen Kommission zu guter Letzt über die Vorwürfe zu Pater Dominic entscheiden.
Bewährung bewirkt Hoffnung. Wie können wir den Weg dorthin bewältigen? Wie können wir Geduld und Liebe füreinander aufbringen? Ist das überhaupt zu schaffen? Auch hier hilft uns Apostel Paulus weiter: Die Hoffnung aber lässt uns nicht zugrunde gehen.Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Ja, wir können es schaffen: Gottes Geist wirkt unter uns, wenn wir uns dafür öffnen, und macht es möglich.

Pastoralassistentin Bigi Hafner
in Anlehnung an die Bibelstellen zum Dreifaltigkeitssonntag.

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